SIMONE THIELE

DOSSIERS

Meine Arbeiten erforschen das Zusammenspiel von Linie, Fläche und Farbe. Ich finde Freude daran, Linien und Flächen zu überlagern und ihre Positionen zueinander immer wieder neu zu verhandeln. Eine vermeintlich dominante Fläche, die fast alles unter sich begräbt, kann sich als weniger bedeutend herausstellen als eine darunterliegende, die durch Farbe, Struktur oder Bewegung eine stärkere Präsenz in der Komposition entfaltet. So entsteht ein spannender Dialog zwischen den Ebenen, in dem sich Räume formen und verschieben.

 

Ich arbeite in Serien, ausgehend von einem konzeptuellen Anfang. Linien oder Flächen mit spezifischen Qualitäten – etwa flüssig, dick, dünn, dunkel, hell, rund oder kantig – bilden die Basis. Jede weitere Ebene erhält ebenfalls eigene Eigenschaften, wodurch die Frage aufkommt, wie diese unterschiedlichen Qualitäten und Platzierungen miteinander kommunizieren.

 

Die Flächen entwickeln sich während des Schaffensprozesses. Sie wachsen organisch von innen nach außen oder verbinden sich aus mehreren Punkten heraus, immer mit Blick auf das Format und auf die darunterliegenden Strukturen. Wesentlich für meine Arbeit ist die Dynamik innerhalb einer Fläche oder Linie: Wohin lenkt sie den Blick, wie tritt sie ins Geschehen, welche Präsenz entfaltet sie?

 

Man könnte diese Fragen, die mich beschäftigen, auch in einen philosophischen Kontext einbetten: Was löst das eine im anderen aus, was fordert es, bedingt es, ruft es hervor? Wie können unterschiedliche Präsenzen trotz ihrer Hierarchien nebeneinander existieren, sind sie gleichwertig, haben alle Akteure ihre Präsenz? Auch wenn solche Überlegungen mitschwingen, ist mein Zugang vor allem intuitiv und geprägt vom Machen, vom unmittelbaren Arbeiten mit Material, Farbe, Linie und Fläche.